Quo Vadis Erkner Razorbacks

Nach einer turbulenten Saison, welche Licht und Schatten für Spieler und Coaches bereitstellte können wir zurecht mit Stolz zurück und mit Optimismus nach vorne blicken. Zum Ende des letzten Jahres standen wir zunächst vor sehr schwierigen Entscheidungen. Das Hauptproblem das wir zunächst lösen mussten war das Fehlen eines Defense Coordinators.

Wir entschieden uns dazu auf das Know- How unserer eigenen Spieler und Captains zurück zu greifen und fanden mit dem Coach der Berlin Thunderbirds, zu dieser Zeit Martin Lutzke, einen Partner der uns ein System nahebrachte, welches nahezu ohne Steuerung von der Sideline auskommt. Dieses System arbeiteten die Captains um Erik Stenzel, Steve Wehnert und Jan Halama so auf, dass am Ende der Saison die Beste Defense der Liga aus Erkner kommt.

ER: Wie sehen die Perspektiven für die Defense aus?

Coach Henning: Wir werden weiterhin ohne hauptverantwortlichen DC arbeiten. Wir glauben nach dieser Saison fest daran, dass defensive Playcalling von innen gemacht und von außen consultet werden muss. Die Entscheidungen in die Hände der Spieler zu legen und an der Stelle auch ein Stück los zu lassen war natürlich nicht unumstritten aber wurde am Ende belohnt. Gerade im ersten Spiel in der Niederlage gegen Potsdam II wurden wir auf die härteste aller Proben gestellt da wir auf ein unerwartetes Spielsystem stießen und folglich nicht sofort und grundsätzlich adjusten konnten. Mit dem Videomaterial aus diesem Spiel und viel theoretischer Fleißarbeit konnten wir das Rückspiel deutlich gewinnen. Spätestens da hat sich diese Entscheidung bestätigt. Am Ende steht die Beste Defense der Liga. Das ist gut und zweifellos ausbaufähig. Wir werden diesen Ausbau aber zu unseren Konditionen und auf Basis einer ergebnisorientierten Zusammenarbeit von Captains und Coaches und natürlich dem Input von anderen Coaches realisieren.

ER: Am Ende steht ein eher unglücklicher zweiter Platz. Ist die Schlammschlacht von Wolgast bereits verdaut?

Coach Henning: Unser Ziel am Anfang der Saison war der Klassenerhalt. Das wir am Ende um den Titel mitspielen durften war schon cool. Aber die Aufregung war schon 2 Wochen vor dem Spiel spürbar. Dann treten wir auf und sind wie gelähmt. Nichts ging mehr. Auch bei mir nicht. Ich würde mir mehr solcher Spiele wünschen. Dann hat man auch mehr Erfahrung damit. Die Vandals haben da verdient gewonnen. Wir haben uns viel selbst im Weg gestanden. Und nein, dieses Spiel wird noch eine Zeit in den Köpfen herumspuken.

Auch auf der anderen Seite des Balles gab es einen Wechsel im Schlüsselpersonal. Nachdem #8 Paul Schulz sich in der Off-Season den Starting QB erarbeitet hat war der erste Gehversuch in Zusammenarbeit und als Tandem mit #21 Daniel Weiswange zunächst gegen den Regionalligisten aus Sachsen, den Leipzig Hawks erfolgreich. Zusätzlich verstärkten wir uns mit Pascal Schaar, der als Offense Coordinator und Playcaller seine Gedanken in das Spiel einbrachte.Die Tabelle zeigt einen guten Platz 3 für die Offense, 12 Punkte hinter den Potsdam Royals II aber weit hinter der Produktion der Knights, die fast 80 Punkte mehr machen konnten. Coach Henning verzog sich zunehmend in die Rolle des mehr oder weniger stillen Beobachters und beriet das Team via Funkverbindung aus sicherer Entfernung.

ER: Wie siehst du die Leistung der Offense in 2020?

Coach Henning: die größte Überraschung lag ja nun darin, dass Paule sich als Starter durchgesetzt hat. Die Entscheidung darüber habe ich an Pascal ausgelagert. Dieses Tandem Daniel/ Paule kam dann auch immer besser ins Spiel. Das Hinspiel gegen die Knights in dem wir mit Pauken und Trompeten untergangen sind war dann der Beleg dafür, dass uns in den Skilled Positions noch etwas die Kadertiefe fehlt. Das ist eine Aufgabe, die wir in der Off-Season angehen werden. Wir haben mit wenigen Spielzügen viel Output generieren können, hatten hochkarätige Playmaker wie Daniel und Lars, die Integration von Jugendtalenten wie Evgenij hat ebenfalls geklappt. Jetzt müssen wir wieder Masse aufbauen und neue Spieler ausbilden für die nächste Saison.

ER: was heißt „weiter machen“ für die Razorbacks?

Coach Henning: Das Beste Learning aus der letzten Off-Season war, dass wir uns als Football – Verein noch viel umfangreicher um den athletischen Teil des Sports kümmern müssen. Der Ansatz es jedem, auch unter Anleitung, selbst zu überlassen ins Fitti zu gehen funktioniert bei uns nicht. Pascal hat hier in der letzten Saison ein wirklich effizientes Programm erarbeitet das er auch in dieser Saison wieder durchführen wird. Er ist ein Sadist. Aber das Fittnesslevel war gut und hat dazu beigetragen, dass es kaum muskuläre Verletzungen gab. Die Ausfälle bei Spielen waren sehr, sehr übersichtlich….

ER: das ist alles?

Coach Henning: natürlich nicht! Im letzten Jahr fingen wir außerdem unter dem Consulting von Jochen Stobernack an, das Rugby-Tackling als unsere standardisierte Tacklingform zu installieren. Nachdem wir das jetzt eine Saison gemacht haben kann man natürlich auch resümieren, dass es zum Erfolg der Defense beigetragen hat bei gesteigerter Verletzungsprävention. Allerdings werden wir uns demnächst für den technischen Input und Übungsfragen bzw. die  Weiterentwicklung nicht an Football-Experten wenden. Sondern wir suchen uns gleich die Rugby-Fachleute. Wir gehen dazu einen eigenen Weg und befinden uns dazu in Gesprächen.

ER: In Berlin dreht sich das Trainer- und Spielerkarussell. In jeder Regionalligamannschaft mit Ausnahme von Cottbus gibt es eine neue Leitung. Gibt es denn bei uns namhafte Neuzugänge?

Coach Henning: Jeder Neuzugang wird einen Namen haben. Wir setzen allerdings auf unsere Ausbildung. Ich glaube nicht an das nahezu groteske Legionärswesen, dass uns stellenweise von den Mannschaften in unserem Verband vorgelebt wird. Das können und wollen wir nicht mitmachen. Hier wird viel auf Sand gebaut. Wir brauchen Spieler die an zweiter Stelle auch Vereinsmitglieder sein wollen und sich nicht als Kunden eines Serviceunternehmens begreifen. Wenn wir Geld investieren dann immer in die Ausbildung unserer Spieler und in diesem Jahr wieder vor allem in die Jugendarbeit. Das mag kurzfristig nicht unbedingt erfolgsversprechend sein aber stärkt uns als ältesten Football Verein in Brandenburg wenn wir in die Zukunft schauen.

ER: Zukunft ist ein schönes Stichwort. Das Programm der A-Jugend ist im August gestartet. 2 Monate sind nicht viel Zeit. Habt ihr schon was erreicht?

Coach Henning: Momentan trainieren ca. 20 Jungs regelmäßig und nun bereits 2x die Woche unter der Maßgabe, dass wir Soldaten mit umfänglichen Skills auf einer breiten Basis ausbilden wollen. Kein Spieler trainiert auf EINE Position, alle tragen schwarz, Athletik, Teambuilding, Fundamental Skills. Da hört es bei den ersten auch schon wieder auf, weil sie es nicht packen. Aber das ist ok. Für den Fame haben wir Cheerleader. Ziel ist natürlich die Ligameldung für 2020 und dieses Ziel ist momentan in greifbarer Nähe auch wenn wir natürlich immer noch auf der Suche nach Spielern sind die diesen Weg mit uns gehen wollen. Aus Sicht der Vereinsführung hat der Coaching Staff da nicht nur volle Rückendeckung sondern ist auch bereit weiter zu investieren.

ER: Coach, danke für diesen Ausblick und deine Gedanken.

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